Berlin zahlt das Vierfache – für seine “Museums-IT”
Die Berliner Verwaltung hält seit Jahren an veralteter Software fest – und zahlt dafür einen hohen Preis. Dies zeigt ein aktueller Bericht des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (ITDZ) auf meiner entsprechenden Fragen (Bericht 0330 A). Der Betrieb dieser „Legacy-Systeme“ verschlingt demnach 415 Prozent der “normalen” Kosten. Da hilft auch kein Verweis auf die dezentrale Zuständigkeit der verfahrensabhängigen IT in Berlin. Die Zahlen erschreckend, besonders für Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der die Digitalisierung zur Chefsache erklärt hatte.
Legacy-Systeme sind wie ein rostiges Auto, das man mit Klebeband und Hoffnung am Laufen hält. Sie sind nicht einfach nur alt – sie sind zugleich potentiell unsicher, störanfällig und inkompatibel mit modernen Lösungen. Das ITDZ Berlin, zuständig für die IT der Verwaltung, beschreibt in seiner Stellungnahme (Bericht 0330 A) den Aufwand beim Betrieb von veralteten Verfahren:
- Höhere Support-Kosten (z.B. extended Support für IT-Systeme im Status „End of Support“)
- Höhere Hardware/Software-Kosten (z.B. Hardware, die nicht mehr auf dem regulären Markt ist, Hardware und Software für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen)
- Höhere interne Personalkosten (z.B. höherer Aufwand in Administration und Koordination, steigendes Risiko für Großstörungen)
- Höhere externe Personalkosten (z.B. höherer Aufwand bei externer Unterstützung z.B. bei Großstörungen/Ausfällen)
Diese Kosten werden bisher nicht den Verantwortlichen – den jeweils für die Verfahren zuständigen Senatsverwaltungen – in Rechnung gestellt, sondern auf alle Preise des ITDZ umgelegt. Es gibt keinen Anreiz für die jeweilige Verwaltung, ihre Verfahren zu aktualisieren. Das führt natürlich zu der bekannten strukturellen Verantwortungslosigkeit bei der Digitalisierung der Berliner Verwaltung. Vergleichbares kennen wir leider auch von der vermasselten Einführung von Windows 11, fehlenden Support- und Weiterentwicklungsverträgen für Fachverfahren oder einer erschreckenden Anzahl von bekannten Medienbrüchen.
Berlin kann es besser – wenn es endlich will
Das ITDZ zieht die richtige Konsequenz und kündigt Verträge für veraltete Verfahren und erstellt parallel Verträge, die dem höheren Leistungsaufwand Rechnung tragen. Damit wird der Druck auf die jeweiligen Senatsverwaltungen erhöht, die Aktualisierung und Weiterentwicklung der eigenen Verfahren voranzutreiben. Digitalisierung ist einfach kein Nice-to-have mehr. Und während andere Städte wie Hamburg längst zentrale IT-Steuerungen und Digitalisierungsbudgets etabliert haben, fehlt vergleichbares in Berlin: eine wirksame gesamtstädtische Steuerung der Digitalisierung.
