Berlin baut LoRaWAN – Nutzung noch unklar
Berlin will digitaler werden und mit Echtzeitdaten arbeiten, zumindest auf dem Papier. Im aktuellen Bericht (Rote Nr. 0572 H) zum Stand der LoRaWAN-Infrastruktur in Berlin schreibt der Senat, das bis Ende 2026 70 % und bis Ende 2027 90 % der Stadtfläche abgedeckt sein sollen. Bisher sind es 40 %.
Das Projekt läuft bereits seit Juni 2023. In drei abgeschlossenen Phasen wurden die konzeptionellen Grundlagen gelegt, eine skalierbare Netzwerkarchitektur aufgebaut und zahlreiche Indoor- und Outdoor-Gateway-Standorte im Stadtgebiet installiert. Aktuell läuft die Phase IV – Laufzeit Januar 2026 bis Dezember 2027.
Dass das Netz nach fast drei Jahren Aufbauzeit immer noch keine klare Nutzungsstrategie hat, ist umso bemerkenswerter. Im Bericht schreibt der Senat lediglich: „Zugleich werden weitere Pilotprojekte mit landesunmittelbaren Unternehmen, Verwaltungen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Bürgerinitiativen initiiert, um neue Standardprodukte, Sensoriklösungen und Anwendungen zu entwickeln.“ Um welche Projekte es sich handelt oder wie sich Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Beteiligung einbringen können, sagt der Senat nicht. Immerhin werden verschiedene Einsatzfelder wie Verkehr, Bau und Umwelt benannt.
Finanziert werden sollen die 835.000 Euro für die aktuelle Projektphase aus Geldern des gescheiterten „FreeWifiBerlin“. Verantwortlich für die Umsetzung ist die Berlin Energie Netz und Service GmbH (BE-NuS), unterstützt von Partnern wie dem InfraLab e.V. und der Berliner Immobilienmanagement GmbH.
LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) ist eine Funktechnologie, die kleine Datenmengen über große Distanzen und mit minimalem Energieverbrauch überträgt. Ideal für Sensoren, die etwa Luftqualität, Wasserstände oder Parkplatzbelegungen messen. Diese Daten fließen in Echtzeit in Verwaltungsprozesse ein, theoretisch. LoRaWAN ist dabei ein wichtiger Baustein für digitale Zwillinge, die es ermöglichen, evidenzbasierte Politik zu betreiben, die mit Echtzeitdaten arbeitet.
