Hitzeschutz am S Kaulsdorf: Schatten bleibt Zukunftsmusik
Wer am S-Bahnhof Kaulsdorf auf den Bus wartet, sucht bei Hitze weiterhin vergeblich nach Schatten und Trinkwasser. Die Antwort des Senats auf meine Anfrage (Drucksache 19/26595) zeigt: Zusätzliche Bäume an der Buswendeschleife sind laut Bezirksamt aus Platzgründen nicht möglich, zu einem Trinkwasserspender liegen keinerlei Vorplanungen vor, und ob die von der BVG geprüfte Beschattung der Wartehallen tatsächlich kommt, ist weiter offen.
Bereits 2024 hatte ich darauf hingewiesen, dass dem Vorplatz am S Kaulsdorf ein Baum als Schattenspender fehlt. Die aktuelle Antwort bestätigt das Problem, statt es zu lösen: Das Straßen- und Grünflächenamt Marzahn-Hellersdorf hat mögliche neue Baumstandorte rund um die Buswendeschleife geprüft – mit negativem Ergebnis. Die Verkehrsflächen seien zu eng bemessen, weil dort Individualverkehr, BVG-Linienverkehr, Taxen und umsteigende Fußgänger:innen aufeinandertreffen. Auch zwei Bäume vor der Heinrich-Grüber-Straße 8, die schon im Jungbaumstadium eingegangen waren, gelten laut Bezirksamt als ungeeigneter Standort für eine Nachpflanzung.
Immerhin tut sich an anderer Stelle im Bezirk etwas: Der Bürgerrat Marzahn-Nord hat konkrete Hitzeschutz-Maßnahmen erarbeitet, für die bereits Geld bereitsteht. Am Kaulsdorfer Bahnhof bleibt es dagegen bei Prüfungen und Absichtserklärungen.
Frage 1: Wie schätzt der Senat den derzeitigen Hitzeschutz am S Bahnhof Kaulsdorf ein?
Der Bahnhof Kaulsdorf fällt in den Zuständigkeitsbereich der DB, die dazu mitteilt: „Die Bahnsteige sind überdacht und bieten somit Sonnen- und Hitzeschutz. Darüber hinaus sind gemäß den Ausstattungsrichtlinien Sitzbänke vorhanden.” Die Bushaltestelle fällt in den Zuständigkeitsbereich der BVG. Bezüglich der Einschätzung von Verschattung am Haltestellenbereich wird auf die Beantwortung der Schriftlichen Anfrage Nr. 19/23498 verwiesen. Unabhängig von der Situation vor Ort hat der Senat in 2025 einen landesweiten Hitzeaktionsplan beschlossen (landes-hitzeaktionsplan-berlin_v10-vom-25112025.pdf). Der Hitzeaktionsplan umfasst vielfältige Maßnahmen, mit denen die Hitzebelastung in der Stadt verringert werden soll und die auf den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung, die Sensibilisierung für Hitzegefahren und die Steigerung der Hitze-Resilienz ausgerichtet sind. Die Maßnahmen werden in den entsprechend angestrebten Zeiträumen umgesetzt.
Frage 2: Liegen dem Senat Zahlen vor wie hoch die Temperatur an die Hitzetagen im Juni 2026 an den Bushaltestellen S Kaulsdorf war, die großflächig von versiegelten Flächen umgeben sind?
Nein.
Frage 3: Welche konkreten Maßnahmen plant bzw. verfolgt die BVG infolge der 2025 durchgeführten Prüfung einer Verschattung der Haltestellendächer (z. B. mittels Folien) an den Haltestellen S Kaulsdorf?
Frage 4: Wenn Maßnahmen verfolgt werden, wann werden diese umgesetzt?Die BVG teilt dazu mit: „Um nachhaltige Lösungen für den Hitzeschutz an Wartebereichen zu entwickeln, hat die BVG einen externen Dienstleister mit der Erstellung eines Konzepts sowie einer Kostenschätzung für geeignete Maßnahmen an den Wartehallen beauftragt. Die Ergebnisse der Prüfung sowie das entsprechende Angebot liegen derzeit noch nicht vor. Nach deren Auswertung wird über das weitere Vorgehen entschieden. Sollte sich die Umsetzung als sinnvoll und wirtschaftlich erweisen, ist vorgesehen, erste Maßnahmen im Rahmen eines Pilotprojekts an ausgewählten Haltestellen zu erproben. Die genannte Haltestelle könnte hierfür grundsätzlich in Betracht kommen.”
Frage 5: Zu welchem Ergebnis sind die Prüfung des Straßen- und Grünflächenamt von Marzahn Hellersdorf gekommen, die im September 2025 (Drucksache 19/23498) weitere Baumstandorte als Schattenspender im Umfeld der Buswendeschleife identifizieren wollte?
Frage 6: Wenn Baumstandorte identifiziert werden konnten, wann werden die Baumpflanzungen erfolgen? Wenn nein, warum nicht?Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf teilt dazu mit: „Die Fläche der Buswendeschleife liegt im Eigentum der BVG. Die Prüfung des Straßen- und Grünflächenamtes zu weiteren Baumstandorten im Umfeld der Buswendeschleife ergab für das öffentliche Straßenland (kariert in der Karte), dass weitere Baumpflanzungen über die bereits bestehenden (siehe grün markiert) aufgrund fehlenden Platzes leider nicht möglich sind. Im Umfeld der Buswendeschleife sind die Verkehrsflächen eng bemessen. In diesem Bereich treffen vielfältige Nutzungsansprüche aufeinander, insbesondere Individualverkehr (Pkw, Lkw, Fahrräder etc.), der Linienverkehr der BVG, Taxen sowie umsteigende Fußgänger:innen. Für den Busbahnhof sind zudem großzügig dimensionierte und gut einsehbare Ein- und Ausfahrten erforderlich. Diese Rahmenbedingungen lassen sinnvolle Baumpflanzungen im öffentlichen Straßenland nicht zu. Vor dem Grundstück Heinrich-Grüber-Straße 8 standen zwei Bäume, die bereits im Jungbaumstadium aufgrund von Schäden gefällt werden mussten. Die Standorte sind aus fachlicher Sicht für Baumpflanzungen ungeeignet. Eine Wiederbepflanzung unter unveränderten Bedingungen wäre nicht zweckmäßig.”
Frage 7: Gibt es im Umfeld des S-Bahnhof Kaulsdorf mögliche Standorte für Trinkwasserspender (und ggf. sogar Vorplanungen)?
Die BWB teilen dazu mit: „Im Umfeld des S-Bahnhofs Kaulsdorf gibt es keine Anfragen zu einem möglichen Trinkwasserbrunnen. Ob die Möglichkeit besteht, vor Ort einen zu errichten, kann pauschal nicht gesagt werden. Hierzu muss der Bezirk Marzahn-Hellersdorf über den offiziellen Weg einen Antrag stellen.”
