Stefan Ziller

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Neue Studie: Wohngeld digital gedacht

Während die Verwaltung Sozialleistungen verwalten soll, sind die Antragsprozesse vielfach noch durch Medienbrüche, fehlende Digitalisierung und isolierte Onlineformulare gekennzeichnet. Das kostet Zeit – Zeit, die Antragstellende oft nicht haben. Eine aktuelle Studie “Wohngeld digital gedacht” der Agora Digitale Transformation befasst sich konkret mit dem Wohngelds. Ein großes Problem ist die fehlende Digitalisierung und Medienbrüche, die Zeit kosten. Die Studie zeigt auf, wie Verwaltungsdigitalisierung nicht nur Prozesse verschlanken kann, sondern auch die Grundlage für vertrauensvolle, bürgerfreundliche Interaktion zwischen Staat und Gesellschaft schafft.

In Deutschland beziehen etwa 1,2 Millionen Haushalte Wohngeld, in Berlin waren es 2024 immerhin 53.770 Haushalte (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg). Wohngeld ist damit eine der zentralen Verwaltungsleistungen. Trotzdem zeigen schriftliche Anfragen immer wieder große Unterschiede bei den Bearbeitungszeiten.

Diese Studie identifiziert konkret am Beispiel des Wohngeldes zentrale Handlungsfelder, in denen das Zusammenspiel der Bausteine der Verwaltungsdigitalisierung – Online-Zugang, Registermodernisierung, EUDI-Wallet und Deutschland-Stack – zu einer bürger:innenfreundlichen Verwaltung beitragen kann. Hier die wichtigsten Punkte (Executive Summary):

  • Lebenslagenorientierte Assistenz statt Formulardschungel: Statt isolierter Onlineformulare für jede einzelne Leistung braucht es ein dialogbasiertes Assistenzsystem, das Nutzer:innen anhand ihrer Situation zur passenden Leistung führt und Information, Anspruchsprüfung und Antragstellung in einem System vereint. Anlaufstellen vor Ort, bspw. durch Beratungsstellen bleiben als analoge Zugangspunkte in den digitalen Bearbeitungsprozess unverzichtbar.
  • Eine interoperable Registerlandschaft aufbauen: Die Registermodernisierung soll die Nachweisübermittlung aus bestehenden Registern ermöglichen. Unsere Analyse am Beispiel des Wohngeldes zeigt allerdings: Die Registermodernisierung ist ein wichtiger Baustein, aber sie allein löst die Nachweisproblematik nicht. Die Registerlandschaft muss systematisch weiterentwickelt werden – weg von isolierten Einzelregistern für einzelne Leistungen hin zu einer standardisierten, interoperablen Registerlandschaft. Doch auch dann stehen viele benötigte Nachweise nicht in Registern zur Verfügung.
  • EUDI-Wallet als Game Changer nutzen: Die EUDI-Wallet bietet nicht nur ein praxistaugliches Instrument zur sicheren Authentifizierung. Sie eröffnet auch einen einfachen Weg, verifizierte nichtstaatliche Nachweise digital und maschinenlesbar zu speichern und gezielt freizugeben. Damit kann sie zum Game Changer für die Interaktion zwischen Bürger:innen und Verwaltung werden. Dazu darf die Wallet aber nicht nur für sporadische Verwaltungsakte genutzt, sondern muss als alltägliches, vertrautes Werkzeug etabliert werden.
  • Plattform-Verwaltung mit Fachverfahren-as-a-Service: Die Dresdener Forderungen bringen es auf den Punkt: Die Kommunen können die Digitalisierungslast im aktuellen Strukturmodell nicht mehr tragen. Gleichzeitig ist der Fachverfahrensmarkt durch große Abhängigkeiten und geringen Innovationsdruck gekennzeichnet. Um Effizienz und Innovationsfähigkeit zu steigern, braucht es eine plattformbasierte Architektur, bei der der Staat das Fundament aus Basisdiensten, Cloud-Registern und Standards bereitstellt und der Markt darauf leistungsfähige Fachverfahren-as-a-Service anbietet.

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