Ohne Messung kein Ziel: Warum Berlins Verwaltung ihre Bearbeitungszeiten nicht kennt
Berliner*innen warten wochenlang auf Leistungen wie Wohngeld, Hilfe zur Pflege und andere. Ich wollte nun vom Senat mal wissen, welche Dienstleistungen im Serviceportal länger als drei Monate, sechs Monate oder sogar ein Jahr brauchen. Die Antwort: wir erheben keine Daten (Drucksache 19/24687). Ich finde das erstaunlich. Denn Beispiele wie das Wohngeld zeigen regelmäßig den Handlungsbedarf auf. Dabei ist wichtig zu verstehen: Es geht nicht darum, dass alle Verwaltungsleistungen gleich lange dauern sollen. Manche Dienstleistungen brauchen naturgemäß länger als andere. Aber: Der Senat sollte wissen, WIE LANGE sie durchschnittlich TATSÄCHLICH dauern, um dann realistische Ziele setzen zu können. Das tut er derzeit nicht.
In der Berliner Digitalstrategie von 2022 wird noch von „Wirkungsmessung“ und einer „lernenden Strategie“ gesprochen. In der Realität der Digitalisierung von Dienstleistungen scheint dies nicht angekommen zu sein. Dabei sind Bearbeitungszeiten sind ein leicht messbarer Teil des Puzzles! Und um über Lösungen wie einer Genehmigungsfiktion (die automatische Zulassung eines Antrags nach Ablauf einer Frist) sinnvoll zu diskutieren, braucht es Daten, um potenzielle Dienstleistungen zu identifizieren.

Ansätze gibt es zu Genüge. Zuletzt hatte der Thinktank Agora einen Indikatorenkatalog veröffentlicht, um die Wirksamkeit von Digitalpolitik messbar zu machen.
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