Sozialplattform wird digitales Sozialamt: Berlin sollte jetzt andocken
Lange Zeit versuchte Berlin, ein eigenes Sozialhilfeportal aufzubauen – eine digitale Plattform für die medienbruchfreie Bearbeitung von Anträgen zwischen Sozialämtern, Bürgerinnen und Bürgern sowie Leistungserbringern. Dieses Vorhaben wurde zuletzt aufgegeben. Eine Entscheidung der Bundesregierung gibt nun eine klare Perspektive: Statt eigener Insellösung gibt es jetzt eine bundesweite Antwort. Das Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“ hat auf seiner dritten Sitzung beschlossen, die bereits bestehende Sozialplattform zum zentralen digitalen Sozialportal auszubauen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat das am 15. Juli 2026 bekanntgegeben:
👉 BMAS: Sozialplattform – zentraler digitaler One-Stop-Shop für die Sozialverwaltung
Die Sozialplattform ist kein Projekt am Reißbrett: Sie wurde bereits 2021 bis 2023 aus Konjunkturpaketmitteln des Bundes finanziert, bietet schon heute Leistungssuche, Antragstellung und Beratung an und ist Pilotprojekt für den Anschluss an das National-Once-Only-Technical-System zum Registerdatenabruf. Getragen wird sie von einer Länderallianz aus 14 Bundesländern, die Identifizierung läuft über die BundID, künftig auch über die EUDI-Wallet. Im Expertengremium sitzen neben BMAS und Digitalministerium bislang NRW, Hamburg und Bremen sowie die kommunalen Spitzenverbände.
Was das für Berlin heißt: Berlin hat Jahre und Ressourcen in ein eigenes Portal investiert, ohne belastbares Ergebnis – und das Projekt liegt inzwischen auf Eis. Mit der Sozialplattform steht nun eine bundesweite, föderal bereits verankerte Lösung bereit, die genau die Funktionen liefert, die Berlin eigentlich wollte.
Berlin sollte sich jetzt zügig der Sozialplattform anschließen – inklusive Beitritt zur Länderallianz und technischer Anbindung an die eigenen Fachverfahren. Das spart Entwicklungskosten und nutzt die bereits vorhandene kommunale Anbindung. Die überlasteten Berliner Sozialämter und die Menschen, die auf schnelle Hilfe angewiesen sind, können sich kein weiteres jahrelanges Warten leisten.
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