Stefan Ziller

GRÜN für Marzahn, Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Hellersdorf

Abgeordnetenhaus Berlin Bildung Netzpolitik & Digitalisierung Open Source 

Wie wird die Open-Source-Strategie in Berliner Schulen umgesetzt?

Anfang 2026 veröffentlichte der Senat seine Open-Source-Strategie als Meilenstein für digitale Souveränität. Ich habe den Senat mal zur Umsetzung in Berliner Schulen befragt (Drucksache 19/25448). Das Ergebnis: Etwa 35.000 veraltete Endgeräte für Lehrkräfte müssen ersetzt werden. Doch der Senat plant 2026 nur 4.000 Geräte auszutauschen – und dafür nicht auf Open-Source zu setzen. Für die Folgejahre gilt: „Lässt sich wegen der aktuellen Marktsituation nicht kalkulieren.“

Immerhin das Berliner Schulportal „Lernraum Berlin“ nutzt Open-Source-Komponenten und basiert auf der Open-Source-Software Moodle. Aus der Antwort geht dazu hervor, dass die Bildungsverwaltung aktuell verschiedene Open-Source-Software einsetzt: Firefox (Webbrowser), KeePass (Passwortmanager), PDF Sam (PDF-Bearbeitung), OTRS (Servicedesk), OpenProject (Projektmanagement, Teil der OpenDesk-Suite), Drupal (Intranet/CMS, in Evaluation zur Ablösung von SharePoint), Moodle (Lernmanagementsystem, Basis für den „Lernraum Berlin“), H5P (Plugin für Moodle, interaktive Lerninhalte), Ubuntu (Betriebssystem), Dovecot (Mailserver), Postfix (Mailserver), Nginx (Webserver), Redis (Datenbank/In-Memory-Datenstruktur), Rspamd (Spamfilter), SOGo (Groupware), Docker (Container-Plattform), mailcow (Mailserver-Suite), Grafana (Monitoring und Visualisierung), Zabbix (Monitoring).

Warum nicht diesen Weg auch bei den Endgeräten für Lehrkräfte gehen? Ein regulärer Austausch bietet eine gute Gelegenheit, sich von digitalen Abhängigkeiten zu befreien. Meine Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordern: Bis 2035 soll die gesamte Software der Berliner Verwaltung Open-Source sein. Zumindest steht das Online-Warenhaus für mobile Endgeräte inzwischen den Berliner Schulen zur Verfügung. Aus der Antwort geht auch hervor, dass sich Berlin in Zukunft am SoftwareHub Schule beteiligen will.

Der Hub ist ein öffentlicher Katalog für Software im Schulkontext. Er könnte dazu beitragen, dass mehr Software nachgenutzt wird. Leider fehlt es bisher an Transparenz, welche Software im Katalog enthalten ist, und auch wie viel davon Open-Source ist. Ein Blick in die Computerräume der Schulen ist ernüchternd. Der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) fehlt jegliche Kenntnis, welche Software dort verwendet wird. Sie verweist dabei auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulen. Unterstützung oder gesamtstädtische Steuerung gibt es offenbar nicht.

1. Wie wird die Open-Source Strategie des Senats (Digitale Souveränität und Innovationskraft stärken) in der Bildungsverwaltung und den Berliner Schulen umgesetzt, beispielsweise im „Warenhaus SenBJF“?

Der Bereich der ministeriellen IT wird die Planung der IT-Strategie an den Vorgaben der Open-Source Strategie des Landes ausrichten. In diesem Bereich liegt aktuell der Schwerpunkt in der Verringerung der strukturellen Abhängigkeit von der Microsoft Office Suite, die unter anderem über die Einführung der LowCode Technologie unterstützt werden soll.

Bei der zur Verfügungstellung von zentralen digitalen Lösungen (Hardware, Software, webbasierte Lösungen) für die Berliner Schulen wird der Einsatz von Open-Source-Lösungen geprüft. Wenn sich eine mögliche Lösung anbietet, diese also den notwendigen Anforderungen entspricht und realistisch umsetzbar ist, wird diese Lösung umgesetzt. Beim Berliner Schulportal werden verschiedene Open-Source-Komponenten genutzt, z. B. für die Bereitstellung der grafischen Benutzeroberfläche, für Schnittstellen oder für den Betrieb des Berliner Schulportals.

Der Weitergabe des Quellcodes des Berliner Schulportals im Rahmen der Kieler Beschlüsse an andere Bundesländer, Kommunen oder den Bund steht die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) offen gegenüber. Die Aufnahme in den Softwarehub (https://softwarehub.schule/) wird gestartet.

2. Welche Open-Source Lösungen werden von der Bildungsverwaltung und den Schulen bereits genutzt?

Neben dem Einsatz von Open-Source Software auf dem Standardarbeitsplatz der ministeriellen IT wie Firefox, Keepass oder PDF Sam, werden verschiedene Open-Source- Software-Produkte für die Bereitstellung von internen Diensten verwendet. Hier ist insbesondere OTRS für das Servicedesk (ZS, ISBJ) und OpenProject für das Projektmanagement im Betrieb. Letzteres stellt als Teil der OpenDesk-Suite einen ersten Schritt hin zur weiteren Evaluation dieser Lösung dar. Darüber hinaus wird aktuell die Ablösung der internen Sharepoint-Umgebung für das Intranet zu Gunsten der Open-Source-Lösung Drupal evaluiert.

Auf dem mobilen Endgerät für pädagogische Beschäftigten (MEG) werden den Nutzenden durch das Serviceportfolio Management (SPM) eine Vielzahl von Softwareangeboten über das Unternehmensportal zur Verfügung gestellt. Die Anlage 1 enthält eine Auflistung der Open-Source-Programme.

Der Lernraum Berlin ist ein digitales Angebot zur Vorbereitung und Durchführung des interaktiven Lernens im Unterricht, zur Unterstützung der Schulorganisation und zur Kommunikation aller am schulischen Bildungsprozess beteiligten Personen, das den öffentlichen Berliner Schulen kostenfrei von der SenBJF zur Verfügung gestellt wird. Der Lernraum Berlin ist ein für Berliner Schulen angepasstes Moodle-System. Moodle ist ein Open-Source-Lernmanagementsystem, welches vielfältig in der Welt eingesetzt wird. Innerhalb vom Lernraum Berlin kommen weitere Open-Source-Plugins zum Einsatz, bspw. H5P.

Seit diesem Jahr hat die SenBJF das Mailsystem für die pädagogischen Beschäftigten übernommen und betreibt es selbst innerhalb der Pädagogischen-Cloud-Infrastruktur (länderübergreifendes Vorhaben vom Digitalpakt Schule). Für die zur Verfügungstellung werden folgende verschiedene Open-Source-Komponenten eingesetzt: Ubuntu, Dovecot, Postfix, Nginx, Redis, Rspamd, SOGo, Docker, mailcow, Grafana, Zabbix.

Welche Open-Source-Lösungen durch die Schulen angeboten und eingesetzt werden, wird nicht zentral erfasst.

3. Wie findet der Austausch nach „Ende der Lebenszeit“ der über 35.000 mobilen Endgeräte des Lehrpersonals an Berliner Schulen nach Ende der Lebensdauer statt, welche bis Ende 2021 beschafft wurden? (siehe Rote Nr. 0826 C, https://www.parlament-berlin.de/adosservice/19/Haupt/vorgang/h19-0826.C-v.pdf)
4. Wie viele mobile Endgeräte des Lehrpersonals an Berliner Schulen sollen im Jahr 2026, 2027 und 2028 ausgetauscht werden?

Der Austausch der MEG findet sukzessive statt. Je nach zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel und den aktuellen Preisen, können Ersatzgeräte beschafft werden. Es ist geplant, dass in 2026 ca. 2.000 Geräte beschafft werden können. Mit Stand KW 10 befinden sich noch 2.263 Geräte im Pool. Somit können in 2026 4.000 Geräte getauscht werden. Die Anzahl der Geräte, welche in 2027 und 2028 angeschafft werden können, lässt sich wegen der aktuellen Marktsituation nicht kalkulieren.

5. Welche Unterstützung erhalten Schulen für Geräten in Computerräumen der Berliner Schulen für die Umsetzung der Open-Source Strategie? Gibt es eine Übersicht, welche Schulen in ihren Computerräumen noch Nicht-Open-Source-Geräte einsetzen?

Zur Unterstützung der Schulen wird auf zentrale Lösungen innerhalb der Schule verwiesen. Beim Einsatz von pädagogischen Schulservern und pädagogischen Programmen wird auf Open-Source-Lösungen hingewiesen. Da jedoch die Schulen im Rahmen der schulgesetzlich verankerten Eigenverantwortlichkeit selbst über die Ausstattung und Nutzung von Geräten entscheiden, liegen der SenBJF keine Daten darüber vor. Als direkte Ansprechperson steht der IT-Betreuer oder die IT-Betreuerin der Schule beratend zur Seite.

6. Wie ist der aktuelle Stand für die Umsetzung eines „sogenanntes Online-Warenhaus für mobile Endgeräte“ für Schüler*innen? (Rote Nr. 0826 F, S. 3, https://www.parlament-berlin.de/adosservice/19/Haupt/vorgang/h19-0826.F-v.pdf)

Das Warenhaus zur Bedarfsmeldung der Schule ist fertig entwickelt und einsatzbereit.

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