Diskussion um TVO erhitzt die Gemüter

img_0701.jpgEtwa 60 interessierte BürgerInnen folgten der Einladung der BündnisGrünen ins Schloss Biesdorf um über die vorgeschlagene schnelle Schienenverbindung entlang der bestehenden Bahnstrecken von Springpfuhl über Biesdorf Süd, Wuhlheide nach Adlershof und Schönefeld und die wieder hervorgeholte Planung einer Tangentialen Verbindung Ost (TVO) zu diskutieren.

Schon die Vorstellung der Pläne durch den zuständigen Stadtrats Christian Gräff seitens der Befürworter des Straßenbaus und Florian Peschelt für die bündnisgrünen erhitze die Gemüter. Einhellig begrüßt wurde die von Bündnis 90 / Die Grünen vorgeschlagene Schienenverbindung, und auch in der Einschätzung der sträflichen Vernachlässigung einer schnellen Nahverkehrsanbindung der östlichen Bezirke an den neuen Flughafenraum durch den Senat bestehen große Übereinstimmungen. Heftigen Widerspruch gab es jedoch gegen den Vorschlag auf die Straßenverbindung TVO zu verzichten.

Die einen warnten vor der Gefahr einer solchen Straße: eine Abkürzung für den Berliner Ring von immerhin ca. 60 km und eine damit verbunden noch größere Verkehrsbelastung für das Siedlungsgebiet als mit dem jetzigen Zustand. Andere, allen voran die Vertreter der organisierten Grundstücksnutzer, sehen die TVO als Erlösung für das Siedlungsgebiet um die Köpenicker Straße. Bezirksstadtrat Christian Gräff sprach sich sehr engagiert sowohl für die Straßen – wie für die Schienentangente aus. Stefan Ziller, Mitglied im zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, verwies auf Untersuchungen des Senates, die eine Entlastung durch die TVO nur in sehr geringem Umfang versprechen.

Als am Ende ein Bürger in dramatischen Worten die Folgen einer solchen Straße für das Klima aufzeigte, wurde es einigen der TVO-BefürworterInnen zuviel – sie verließen fluchtartig den Saal. Wir werden die Diskussion weiterführen. Im Sommer wird der Senat neue Zahlen zur Verkehrszählung vorlegen und damit beiden Seiten wieder Stoff für weitere Gespräche liefern. Bleibt zu hoffen, dass alle das Ziel – eine Verkehrsberuhigung des Siedlungsgebietes zu erreichen – im Auge behalten!

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3 Gedanken zu „Diskussion um TVO erhitzt die Gemüter

  • 25.April 2008 um 18:10
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    Hallo Herr Ziller,

    Den Vorschlag die geplante TVO-Straßenverbindung als Schienenverbindung zu bauen und auf diese Straße zu verzichten, halte ich für finanziell nicht vertretbar und auch an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei gedacht.

    Zur jetzigen Situation:
    Derzeit leiden die östlichen Siedlungsgebiete Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf und Karlshorst unter einem enormen Nord-Süd Verkehr. Dieser Verkehr entsteht hauptsächlich durch Wirtschafts- und Warenverkehr. Also Verkehr, der sich gar nicht auf die von Ihnen favorisierte Schienenverbindung verlagern lässt.

    Der Flughafen BBI wird diesen Effekt noch ein mal verstärken. Das wirtschaftliche Zentrum Berlins wird künftig im Süden der Stadt liegen.

    Dank Autobahnmaut fahren LKWs die von der Ostseeautobahn A20, der A11 und dem Hafen Stettin kommen bereits am nördlichen Berliner Ring ab und quälen sich durch die Siedlungsgebiete. Die Fahrer nehmen lieber längere Fahrzeiten als Kosten in Kauf.

    Was kann die Straßenverbindung TVO nun bringen?

    Ganz einfach: sie wird definitiv die Siedlungsgebiete entlasten. Sie ist eine Niveau- und Ampelfreie Trasse die den Verkehr gegenüber der Siedlungsstraßen fließen lässt. So und dafür wurde sie auch geplant. Die TVO-Straßenverbindung erhöht endlich wieder die Lebensqualität in den Siedlungsgebieten und zusätzlich noch im Verkehrsgeplagten Oberschöneweide.
    Entlastet werden würden: der Hultschiner Damm in Mahlsdorf, die Chemnitzer Straße in Kaulsdorf, die Köpenicker Straße in Biesdorf und die Treskowallee in Karlshorst in ihrer Fortführung bis Oberschöneweide.

    Die Baukosten der TVO-Straßenverbindung würden im Gegensatz zur Schienenverbindung von der EU sogar mit 40% getragen werden.
    Die TVO würde zwischen An der Wuhlheide und der B1/B5 komplett durch nahezu unbesiedeltes Gebiet verlaufen. An Stellen an denen doch eine nahe Siedlung besteht können geeignete Lärmschutzmaßnahmen erfolgen, das hat in Adlershof auch sehr gut geklappt. Dort haben die Anwohner jetzt auch erstmals einen Lärmschutz zur angrenzenden Bahnstrecke erhalten.

    Eine Bahnstrecke die mit Ihrem Vorschlag nun viel höher frequentiert werden würde, bei der die Bahn wegen des schon Bestehens der Bahnstrecke, aber zu keinen Lärmschutzmaßnahmen verpflichtet wäre.

    Es bleibt in Ihrem Vorschlag nun noch offen, wer denn die TVO-Schienenverbindung nun nutzen soll? An der WISTA Adlershof geht sie komplett vorbei. Erst am Grünauer Kreuz trifft die TVO wieder auf eine S-Bahnstrecke. Um in Spindlersfeld eine Umsteigemöglichkeit zur S47 zu schaffen müsste der jetzige Bahnsteig weiter an die TVO Trasse rücken, somit aber weg von Straßenbahn und Bus in der Oberspreestraße. In Wuhlheide müsste der komplette S3 Bahnsteig weiter Richtung Innenstadt verschoben werden um eine attraktive Umsteigebeziehung zu schaffen. Ganz genauso sieht es in Biesdorf Süd mit der U5 aus. Danach gibt es bis nach Springpfuhl praktisch keinen Bedarf im Einzugsgebiet einer möglichen TVO Schienenverbindung.

    Herr Ziller, es würde Ihnen besser zu Gesichte stehen, wenn Sie und Ihre Partei sich zum Beispiel für die Einführung des 10 Minuten Taktes auf der Straßenbahnstrecke 62 im nördlichen Abschnitt stark machen würden. Nur das würde wirklich Autofahrer zum Umsteigen bewegen und die Feinstaub- und C02-Belastung reduzieren. Die jetzige Situation der 62 ist unerträglich und wird von Ihrer Partei völlig ausser Acht gelassen. Schade eigentlich, denn das ist ein Thema bei dem die Grünen Punkten könnten. Noch besser, die 62 könnte dann als M62 von Mahlsdorf nach Adlershof fahren und würde somit eine attraktive Nord-Süd-Anbindung an die Flughafen S-Bahn in Adlershof bilden. Das sogar Tag und Nacht. Zahlreiche Nachtbusse könnten dadurch eingespart werden. Die M62 würde 4 barrierefreie S-Bahnhöfe miteinander verbinden.

    Es gibt noch zahlreiche weitere Verbesserungsmöglichkeiten im ÖPNV in den Siedlungsgebieten, die die Autofahrer zum Umsteigen bewegen würden. Nur müsste man sich dann mit kleineren Themen beschäftigen. Die TVO dagegen ist als großes Thema reizvoller, damit lässt sich mehr Stimmung machen. Das hat man ja an diesem bescheurten Klima-Argument entlang der TVO lesen können. Dass der Senat die nur von einer geringen Entlastung durch die TVO spricht ist klar, denn auch die ehemalige SED Partei die Linke ist gegen den Ausbau und argumentiert mit einer möglichen TVO Ausweichstrecke für die A10. Nur leider wird wie ich oben schrieb schon heute der A10 wegen der Maut ausgewichen, das wird auch immer so bleiben, denn man kann sich den Wirtschafts- und Warenverkehr nicht einfach wegdenken.

    Ziel sollte doch sein, ihn kanalisiert an der günstigsten Stelle durchzuleiten und den Anwohnern bestehende Tram und Busverbindungen zu verbessern.

    Mit freundlichen Grüßen aus Mahlsdorf und Adlershof (an der TVO)

    Stefan Metze

  • 25.April 2008 um 18:50
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    Sehr geehrter Herr Metze,

    vor kurzen gab der Senat die aktuelle Verkehrszählung bekannt. Diese werten wir im Moment sorgfältig aus. Ich möchte jedoch einigen Argumenten widersprechen.

    1.) Die Schienenverbindung ist finanzierbar. Sie ist deutlich günstiger als die Straße, da die Infrastruktur zum Teil vorhanden ist. Dazu ist es bei entsprechendem politischen Willen möglich auch EU-Mittel für eine solche Schienentangente zu bekommen.

    2.) Wir setzen uns natürlich für eine Verbesserung der ÖPNV-Angebote in den Siedlungsbebieten ein. Insbesondere haben wir uns auch mit Anträgen für die Straßenbahnverbindung in Adlershof eingesetzt. Leider spielt der Stadtrand in den Planungen des Senates und der BVG kaum eine Rolle.

    3.) Unser Vorschlag sieht die Anbindung einer S-Bahn sowohl an Adlershof und BBI als auch an Schöneweide vor.

    4.) Genau den von ihnen beschriebenen Umfahrungsverkehr der Autobahnrings möchte ich nicht in unsere Bezirke verlagern. Das wir einen kleinen Teil schon heute haben ist schlimm genug. Aber bei Fertigstellung der TVO, wird dieser um ein Vielfaches schlimmer, dreckiger und lauter. Dieser Verkehr gehört auf die Autobahn und nicht in unseren Bezirk!

    viele Grüße Stefan

  • 18.August 2008 um 13:49
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    Sehr geehrter Herr Ziller,

    ich kann den Ausführungen des Herrn Metze nur beipflichten. Ihre Antwort hingegen kann ich nicht nachvollziehen:
    „Genau den von ihnen beschriebenen Umfahrungsverkehr der Autobahnrings möchte ich nicht in unsere Bezirke verlagern.“

    Verlagern?! Diesen Verkehr haben wir bereits heute!!! Er fließt tagtäglich real an meiner Siedlung vorbei.
    Ich wohne in Umfeld der Köpenicker Str., wo wohnen Sie, Herr Ziller?

    Ich benötige teilweise mehrere Minuten, um aus meiner Siedlung kommend, mich in den Fließverkehr der Köpneicker Str. „einzudrängeln“, falls ich mit dem Auto unterwegs bin. Ich fahre auf meinem täglichen Weg Fahrrad. Auch das ist ein Vergnügen entlang der Köpenicker Str. zum S-Bhf. Wuhlheide!

    Der künftige Schulweg meiner Kinder über diesen Damm wird trotz eines Überweges zum Russich Roulette. Fußgängerampeln gibt es zwischen dem Innovationspark bis hin zum Elsterwerdaer Platz 2 (in Worten zwei). Stünden mehr Ampel, hätten wir dort jedoch einen Dauerstau, ich weiß nicht was ich lieber hätte. Pest oder Cholera.

    Und sie sagen, Sie möchten den zukünftigen Verkehr nicht in den Bezirken haben. Schauen Sie bitte der Realität in die Augen.
    Wir benötigen eine Entlastung der Köpenicker Str. (und deren Parallelen), die ohne die TVO für ihre räumlichen Ausmaße dauerhaft überlastet sein dürfte.
    Ihr favorisiertes Schienenkonzept dürfte nicht die erwünschte Entlastung bringen, denn die LKW’s werden nicht auf die Schiene umsteigen und wie bereits gesagt:
    „…man kann den Verkehr nicht wegdenken“!

    Herzlich Ingo Borgmann

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