Renaturierung der Wuhle mit Wasser aus dem Klärwerk Münchehofe

Bündnis 90/Die Grünen haben das Thema Renaturierung der Wuhle im Laufe der Jahre immer wieder kritisch begleitet. Unser Ziel ist die Wuhle wieder zu einem naturnahen Gewässer zu machen. In den letzten Jahren stellt sich dabei insbesondere die Frage: wie bekommt die Wuhle wieder mehr Wasser?

Denn in den letzten sehr trockenen Jahren sind Abschnitte im Oberlauf der Wuhle und Neuen Wuhle über längere Perioden trockengefallen. Um die Auswirkungen dieser künftig voraussichtlich häufiger auftretenden Trockenperioden zu reduzieren, werden aktuell Möglichkeiten zur Stützung des Wasserhaushalts untersucht. Hierzu gehört auch die Überleitung von gereinigtem Abwasser aus dem Klärwerk Münchehofe (Drucksache 19/13419). Ich unterstütze diese Überlegungen, denn klar ist: Die Wuhle braucht Wasser!

Das Wuhletal ist der größte zusammenhängende Grünzug Berlins. Es ist etwa 16 km lang und bis zu mehrere Hundert Meter breit. Im Wuhletal befinden sich Biotope sowie seltenen Tier- und Pflanzenarten. Es ist auch ein gern besuchtes Erholungsgebiet. Im Jahr 2008 wurde der erste Teil der Renaturierung auf einer Länge von etwa 12 km abgeschlossen. Nötig war und ist die Renaturierung der Wuhle aufgrund der Schließung des ehemaligen Klärwerks Falkenberg sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Diese sieht vor, dass bis spätestens 2027 für die Gewässer ein guter ökologischer Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potential erreicht werden soll.

Frage 1: Wie bewertet der Senat den aktuellen Zustand der Wuhle in Bezug auf die Zielvorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie, nach der bis 2027 alle Gewässer einen „guten ökologischen Zustand“ oder ein „gutes ökologisches Potenzial“ aufweisen sollen?

Entsprechend des Monitorings der biologischen Qualitätskomponenten und Meldung zum 3. Bewirtschaftungsplan der Wasserrahmenrichtlinie wird das ökologische Potenzial des Unterlaufs der Wuhle (Wuhleteich bis Mündung) insgesamt als „mäßig“ bewertet, der Oberlauf der Wuhle ist in einem „unbefriedigenden“ Zustand. Der Wasserkörper „Neue Wuhle“ weist ein „mäßiges“ ökologisches Potenzial auf.

Frage 2: Wird der in 1. beschriebene Anspruch im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie nach Kenntnissen des Senats bis spätestens 2027 erreicht werden?

Voraussetzung für die Zielerreichung ist die Verbesserung der Gewässerstruktur einschließlich der Wiederherstellung der Durchgängigkeit für aquatische Organismen sowie naturnahe Abflussverhältnisse. In den letzten sehr trockenen Jahren seit 2018 sind Abschnitte im Oberlauf der Wuhle und Neuen Wuhle sowie angeschlossene Feuchtgebiete über längere Perioden trockengefallen. Um die Auswirkungen dieser künftig voraussichtlich häufiger auftretenden Trockenperioden zu reduzieren, werden aktuell Möglichkeiten zur Stützung des Wasserhaushalts untersucht. Hierzu gehört auch die Überleitung von gereinigtem Abwasser aus dem Klärwerk Münchehofe.

Parallel wird geprüft, welche der im Rahmen des Gewässerentwicklungskonzepts ermittelten und in der Vorplanung konkretisierten Maßnahmen ein hohes Potenzial haben, den Zustand bzw. das Potenzial der Wuhle auch beim jetzigen Wasserdargebot zu verbessern. Ein hoher Anpassungsaufwand der umgesetzten Maßnahmen nach einer möglichen Realisierung der Überleitung soll vermieden werden. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur bis 2027 wird angestrebt, die Zielerreichung für die beiden Wuhle-Wasserkörper sowie die Neue Wuhle ist voraussichtlich nicht bis 2027 möglich.

Frage 3: Wie ist der Stand der weiteren Maßnahmenplanung zur geplanten Renaturierung der Wuhle? Bitte ausführlich darlegen.
Frage 4: Welche zeitliche Planung ist für die in 3 angeführten Maßnahmen jeweils angesetzt?

Aufbauend auf dem Gewässerentwicklungskonzept wurde die Vorplanung zum Ausbau der Wuhle einschl. Neuer Wuhle erarbeitet. Um die Auswirkungen von künftig voraussichtlich häufiger auftretenden Trockenperioden zu reduzieren, wurden zunächst die Zusammenlegung von Wuhle und Neuer Wuhle im Bereich der Landsberger Allee und vorrangige Beschickung der Wuhle gegenüber der Neuen Wuhle untersucht. Derzeit werden die Machbarkeit einer Überleitung von gereinigtem Abwasser aus dem Klärwerk Münchehofe zur Wuhle sowie die naturschutzfachlichen, gewässerökologischen sowie mikroklimatischen Auswirkungen geprüft.

Wie unter der Antwort zu 2 erläutert, wird parallel geprüft, welche strukturverbessernden Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden können. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse erfolgt ab 2023 die fachliche Entscheidung über die Maßnahmen zur Stützung des Wasserhaushalts. Bei einer Entscheidung für die Überleitung aus dem Klärwerk Münchehofe sind Schritte zur Sicherstellung der Finanzierung zum Bau der Druckleitung zu ergreifen. Auch die Auswahl der strukturverbessernden Maßnahmen erfolgt auf dieser Grundlage und geht, ggf. mit zeitlicher Staffelung, in die Bauplanung.

Die Fragen zur Stützung des Wasserhaushalts, die größeren Betroffenheiten im Bereich der Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg sowie durch Brückenbaumaßnahmen sind Aspekte, die sich auf die erforderlichen Genehmigungsverfahren und den Zeitbedarf bis zur Umsetzung auswirken.

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