Stefan Ziller

GRÜN für Marzahn, Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Hellersdorf

Netzpolitik & Digitalisierung

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Lock-in-Effekt verhindern durch Open Source- Software

Wer einmal proprietäre Software in der Verwaltung eingeführt hat, kommt oft nur schwer wieder davon los: Datenformate passen nicht zu anderen Systemen, Schulungen und Prozesse sind auf einen Anbieter zugeschnitten, ein Wechsel wird teuer und riskant. Genau das ist der Lock-in-Effekt – und er kostet die öffentliche Hand nicht nur Geld, sondern auch Verhandlungsmacht. Bislang scheuten viele Vergabestellen davor zurück, Ausschreibungen gezielt auf Open Source zu beschränken – aus Sorge, das sei vergaberechtlich unzulässig. Eine aktuelle Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags räumt mit dieser Unsicherheit nun auf.

Die Ausarbeitung „Vergabeverfahren zur Bereitstellung, Entwicklung und Änderung von Computersoftware“ (WD 7 – 3000 – 010/26) stellt klar: Eine pauschale OSS-Pflicht ist zwar unzulässig, eine sachlich begründete Beschränkung ist aber möglich, sofern sie transparent und verhältnismäßig ist und eine Alternativklausel („oder gleichwertig“) enthält.

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House of Games: Ein Haus für alle? Nicht ganz.

Das House of Games nimmt Gestalt an – aber mit einer schmerzhaften Lücke. Der aktuelle Fortschrittsbericht (Rote Nr. 2761) macht deutlich: Weder das Computerspielemuseum noch die Internationale Computerspielesammlung werden beim Start dabei sein. Für ein Projekt, das Berlins Spielekultur als Ganzes sichtbar machen soll, ist das ein echter Verlust.

Im September 2025 klang es noch nach einem Meilenstein: Das House of Games sollte im LUX-Quartier entstehen, der Standort war beschlossen, im dritten Quartal 2026 sollten die ersten Mieter*innen einziehen. Damals schien alles trotz offener Fragen auf Kurs. Und grundsätzlich stimmt das noch immer: Mit 18 unterzeichneten Letters of Intent, Ubisoft und dem game-Verband als Großmieter und der WISTA als erfahrener Betreiberin steht das Projekt auf solidem Fundament. Doch nun hakt es bei zwei zentralen Akteuren der Berliner Spielekultur hakt es:

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Bits & Berlin – Newsletter – 7/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

in der letzten Ausgabe von bits & Berlin vor der Sommerpause geht es um den Passierschein A38, Nutzungszahlen der pädagogischen Endgeräte, die Flex:Unit für Berlin, das Dauerthema ITDZ, ein öffentliches Gesamtverzeichnis für Verarbeitungstätigkeiten, ALLRIS, den Landesverzeichnisdienst und die Bezirksfinanzierung.

Wer sich den Stand der Verwaltungsmodernisierung in ganz Deutschland anschauen möchte, kann sich auf dem Portal des Bitkom www.monitor-staatsmodernisierung.de informieren – Spoiler: Noch ist die Umsetzung auf 9 Prozent.

Für die heißen Sommertage in Berlin lohnt sich ein Blick auf die Berliner Erfrischungskarte. Die Open Data Informationsstelle Berlin erfasst dort kühle und windige Orte innerhalb der Stadt sowie Trinkbrunnen.

Viel Spaß beim Lesen und kommt gut durch den Sommer.

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Berliner Videodolmetsch-Dienst AVD wächst – und stößt an Grenzen

Vor einem Jahr berichteten wir über den Start des Audio-Videodolmetsch-Pilotprojekts (AVD) der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Integration und Antidiskriminierung. Das Ziel: Die Berliner Verwaltung sollte durch spontane oder terminierte Dolmetschdienste barrierefreier und effizienter werden. Das Pilotprojekt läuft aktuell in seiner zweiten Phase (2026–2027), in der der Dienst schrittweise auf weitere Verwaltungseinheiten mit direktem Kundenkontakt ausgeweitet werden soll. Ab 2027 ist eine neue Ausschreibung erforderlich, da der aktuelle Vertrag Ende 2026 ausläuft. Die Senatsverwaltung prüft zudem, ob ein flächendeckendes Ausrollen ab 2028 möglich ist. Dafür müssen technische Rahmenbedingungen (Datenschutz, IT-Architektur, Integration in den BerlinPC) und Finanzierungsfragen geklärt werden. Ziel sollte ein Basisdienst Audio-Videodolmetschen sein, der allen Beschäftigten der Berliner Verwaltung bereitsteht.

Zwei Berichte (Rote Nr. 1799 B und Rote Nr. 1799 C) stellen konkret dar, wo das Projekt steht. Von Oktober 2024 bis Oktober 2025 wurden 4.381 Einsätze mit einem Gesamtumfang von 76.517 Minuten in Jugendämtern, Gesundheitsämtern, Sozialämtern, Schulen, Kitas und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) durchgeführt. Besonders in den Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Marzahn-Hellersdorf sowie im Willkommenszentrum wird der Dienst intensiv genutzt. Allein 2025 hat sich die Zahl der aktiven Kooperationspartner verdoppelt. Der Bedarf nach dem AVD-Dienst ist enorm – und entlastet die Mitarbeiter*innen in der Verwaltung spürbar.

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Datenschutzbericht 2025: Mehr Beschwerden, wenig Befugnisse

Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BlnBDI) hat ihren Jahresbericht für das Jahr 2025 vorgelegt. Auf 216 Seiten wird umfangreich zur Arbeit der unabhängigen Stelle berichtet und werden besondere Fälle vorgestellt. Darin kritisiert die Behörde, dass ihr gegenüber Polizei und Justiz nach wie vor wirksame Durchsetzungsbefugnisse fehlen – ein Zustand, den sie als Verstoß gegen europäisches Recht bewertet. Der Bericht ist auf der Homepage abrufbar. Die entsprechende Pressemitteilung gibt es hier als PDF.

Drei Fälle aus dem Bericht geben einen Eindruck der Arbeit der BlnBDI: Erstens beantragte die Behörde die Sperrung der chinesischen KI-App DeepSeek in den deutschen App-Stores von Google und Apple, da der Dienst personenbezogene Daten – darunter alle Texteingaben und Chatverläufe – rechtswidrig auf Servern in China speichert. Beide Konzerne lehnten die Sperrung ab; die BlnBDI kündigte an, Beschwerde einzulegen (S. 69). Zweitens verhängte die Behörde Bußgelder gegen Berliner Polizeibeamt:innen, die ohne dienstlichen Anlass Daten aus der Polizeidatenbank POLIKS abgerufen hatten – etwa um einen eigenen laufenden Strafvorgang einzusehen oder eine Kollegin zu bespitzeln (S. 41). Drittens stellte die BlnBDI fest, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nach einem Hackerangriff auf einen Dienstleister, bei dem rund 180.000 Kundendatensätze abgeflossen waren, ihre Kontrollpflichten vernachlässigt hatten: Die BVG hatte schlicht nicht nachgeprüft, ob der Dienstleister die Daten nach Abschluss des Auftrags auch tatsächlich gelöscht hatte – was den Angriff nach Einschätzung der Behörde hätte verhindern können (S. 126).

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Wer hat meine Daten? Ein öffentliches Verzeichnis für Berliner Behörden

Wie können Berliner*innen nachvollziehen, welche ihrer Daten von der Verwaltung oder Landesunternehmen an Dritte weitergegeben werden? Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat mit ihrem Antrag „Für mehr IT-Sicherheit: Transparenz über Datenverarbeitung durch öffentliche Stellen in Berlin herstellen“ (Drucksache 19/3239) einen konkreten Vorschlag: ein öffentliches Gesamtverzeichnis für Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 DSGVO. Ziel des Antrags:  Transparenz zu schaffen – und damit das Vertrauen in die Digitalisierung zu stärken. Zusätzlich zeigen Datenschutzvorfall und Verwarnung der BVG, wie wichtig es für die Verwaltung ist, die Datenverarbeitung von Dritten gesamtstädtisch zu steuern.

Jede Behörde ist nach der DSGVO ohnehin verpflichtet, intern zu dokumentieren, welche Daten sie wie verarbeitet. Der Antrag fordert: Diese Dokumentation soll öffentlich zugänglich sein – damit Bürger*innen nachvollziehen können, was mit ihren Daten passiert. Ein Gesamtverzeichnis hilft zudem, ein Klumpenrisiko zu erkennen: Wenn viele Behörden unabhängig voneinander denselben Dienstleister beauftragen, sammeln sich dort große Mengen sensibler Daten – ohne dass jemand den Überblick hat. Erst eine gesamtstädtische Perspektive macht solche versteckten Risiken sichtbar.

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Landesverzeichnisdienst: Migration stockt, IT-Sicherheit in Gefahr

Seit langem arbeitet der Senat am dringend notwendigen Aufbau eines zentralen Landesverzeichnisdienstes für Berlin. Das neue, sichere Active-Directory-Forest (AD Forest) soll die IT-Infrastruktur der Verwaltung endlich auf ein modernes Sicherheitsniveau heben. Damals war die Hoffnung groß, dass der Senat die IT-Sicherheit durch diese Maßnahme nachhaltig stärken würde. Doch wie so oft in der Berliner Digitalisierungspolitik holt die Realität die Pläne ein.

Laut dem aktuellen Fortschrittsbericht (Bericht 0275 B) vom Juni 2026 sind die Migrationsvorbereitungen zu 70 % abgeschlossen. Die Pilotmigration für das ITDZ Berlin hat begonnen. Doch das Tempo ist ernüchternd:

Bestands-BerlinPC-Kunden und alle zukünftigen BerlinPC-Kunden werden ab 2027 nach Inbetriebnahme mit entsprechenden Überführungsprojekten zentral durch das ITDZ Berlin bzw. gemeinsam mit dem BerlinPC-Roll-Out in das Landesverzeichnis überführt. Behörden, die noch keine BerlinPC-Kunden sind, können eigenständig auf das ITDZ Berlin zugehen

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Passierschein A38: Mönchengladbach, dann Wiesbaden und jetzt Berlin

Wer kennt das nicht? Asterix und Obelix müssen in Rom den Passierschein A38 besorgen – und landen in einem bürokratischen Endloskreis. Was im 1976 erschienenen Film „Asterix erobert Rom” eine Satire auf absurde Verwaltungsprozesse ist, wird in Mönchengladbach und Wiesbaden zum spielerischen Einstieg in die digitale Verwaltung: Beide Städte bieten ihren Bürger*innen unter dem Namen „Passierschein A38″ eine Online-Dienstleistung an, die es ermöglicht, die BundID und die Online-Ausweisfunktion (eID) ohne Termindruck und ganz ohne Frustration auszuprobieren.

Genau das braucht Deutschland. Der Digital-Index 2024/2025 der Initiative D21 zeigt: Keine Bevölkerungsgruppe erreicht den Zielwert. Es droht ein „Digital Skills Gap” – Deutschland verfehlt das EU-Ziel, bis 2025 eine digitale Basiskompetenz von 70 Prozent zu erreichen. Auch für Berlin heißt das: mehr investieren, mehr ausprobieren, mehr ermöglichen.

Wiesbaden hat den Dienst aus Mönchengladbach bereits nachgenutzt – und Berlin kann das auch. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert den Senat mit dem Antrag „Erst Mönchengladbach, dann Wiesbaden und jetzt Berlin: Passierschein A38″ auf, genau das zu tun (Drucksache 19/3309). Das Projekt wurde vom Deutschen Städte- und Gemeindebund mit dem Siegel „Bewährt vor Ort – ausgezeichnetes Projekt für Bürgerinnen und Bürger” ausgezeichnet. Warum also neu erfinden, was anderswo schon funktioniert? Mehr zum Thema Nachnutzung statt Neuentwicklung gibt es hier.

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Digital Coffee Break: Digitale Tools für leichteres Arbeiten

Am 26. Juni von 13 bis 15 Uhr findet unser Digital Coffee Break in meinem Bündnisgrünen Büro am S-Bahnhof Kaulsdorf (Heinrich-Grüber-Straße 12, 12621 Berlin) statt – passend zum Digitaltag 2026, dem bundesweiten Aktionstag für digitale Teilhabe. In lockerer Runde tauschen wir uns über Open-Source-Tools aus, die unseren Arbeitsalltag vereinfachen: von praktischen Office-Programmen wie LibreOffice über professionelles Foto-Management mit digiKam, Rezeptverwaltung mit Mealie und Cloud-Lösungen mit Nextcloud bis hin zu Entwickler-Tools wie GitLab, Notizprogrammen wie Joplin oder mobilen Apps wie CoMaps. Eine gute Übersicht über kostenfreie und Open-Source-Tools für produktives Arbeiten bietet übrigens dieser Artikel bei Golem.

Bei Kaffee oder Tee wollen wir gemeinsam diskutieren, Erfahrungen teilen und netzwerken. Eingeladen sind alle, die sich für digitale Tools interessieren – ob mit Vorerfahrung oder einfach neugierig. Bringt gerne eure eigenen Ideen, Fragen, Lieblings-Tools oder auch eure Laptops und Smartphones mit – zum Ausprobieren und Zeigen, was bei euch im Alltag wirklich funktioniert!

Wer regelmäßig über Open-Source-Alternativen auf dem Laufenden bleiben möchte: Der DiDay (Digital Independence Day) zeigt jeden ersten Sonntag des Monats, was mit freier Software möglich ist – ein schöner Anlass, um kontinuierlich neue Tools zu entdecken.

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